Amenhotep III. (1402-1364 v. Chr.) Grab
Amenhotep III.
regierte über ein unermeßlich reiches Ägypten, das eine regelrechte Glanzzeit
durchlebte. Der König profitierte vom Erbe mächtiger Könige, welche das Land
zur bedeutendsten Macht der Mittelmeerwelt machten. Die innenpolitische Lage war
stabil und auf dieser Basis erfuhr auch das künstlerische Schaffen einen
deutlichen Aufschwung. Es inspirierte Architekten, Maler und Bildhauer. Die
heiligen Zeremonien erreichten ein Höchstmaß an Prunk, die Empfänge bei Hofe
waren von raffinierter Eleganz geprägt. Auch das großartige architektonische
Programm machten die Regierungszeit Amenhotep III. zu einem Höhepunkt: der
dritte Pylon im Karnak-Tempel, der Südpalast in Medinet Habu, der Tempel zu
Soleb im Sudan, der Totentempel des Amenhotep III. am Westufer (von dem nur die
Memnonkolosse erhalten sind) und der Tempel von Luxor. Unter Amenhotep III. war
Ägypten ein souveräner Staat, dessen Streitkräfte so mächtig waren, daß
kein Land einen Angriff wagen konnte. Zum besseren Schutz des Landes schuf man
Pufferzonen, die unter ägyptischer Oberhoheit standen. Im Süden galt Nubien
bereits als ägyptische Provinz und im Norden bestand der Schutz aus einer
Vielzahl kleiner Fürstentümer. Die Außenpolitik war geprägt durch zahlreiche
religiöse und soziale Kontakte zwischen Ägypten und seinen Nachbarländern. Es
gab einen regelrechten „Götteraustausch“, eine miteinander brüderliche
Begegnung von Ideologien. So lernten Völker und Glaubensrichtungen, sich zu
begegnen ohne sich zu bekämpfen. Und doch sah sich Amenhotep III. mit einem
schwerwiegenden Problem konfrontiert: die zunehmende Macht der Hethiter. Im
Jahre 1370 v. Chr. ergriff König Suppiluliuma die Macht. Er verstärkte seine
Truppen, in Verständigungspolitik sah er keinen Sinn. Er eroberte das mit Ägypten
verbündete Land Mitanni. Doch Amenhotep III. griff nicht ein und schloß einen
Nichtangriffspakt mit den Hethitern. Ägyptens Verbündete waren bestürzt.
Einige zogen es vor sich den Hethitern anzunähern und andere entschieden sich
ein doppeltes Spiel zu spielen. Amenhotep III. ergriff keine strengen Maßnahmen.
Er verließ sich darauf, daß die Hethiter es nicht wagen würden bestimmte
Grenzen zu überschreiten und von Ägyptens Prestige gedämpft würden. Theben,
ein bedeutendes religiöses Zentrum, steuerte nicht nur das spirituelle, sondern
auch das wirtschaftliche Leben des Landes. Doch mit dem Reichtum wuchs auch die
Gier nach Macht. Die thebanische Priesterschaft begnügte sich nicht mehr mit
ihrer Rolle im Hintergrund. Einige Priester begehrten weltliche Macht und die
Vorrangstellung des Staatsgottes Amun verlieh ihnen einen privilegierten Status.
Kein Text erwähnt offene Konflikte zwischen dem König und der thebanischen
Priesterschaft. Nur die Schwäche eines Monarchen konnte das Verhältnis
modifizieren und persönlichen Ambitionen der Priester Tür und Tor öffnen.