Ramses I. Grab
Wegen der
glanzvollen Erfüllung seiner Aufgaben ernannte Pharao Haremhab Paramessu zum
Wesir und verlieh ihm den Titel des "Sprechers des gesamten Landes".
Diese Ernennung schloß wahrscheinlich auch die Oberaufsicht über die
verschiedenen Arbeiten zum Abriß, zur Umgestaltung und zu neuen Anbauten in den
Tempelanlagen von Karnak mit ein. Der Pharao hattekeinen leiblichen Erben.
Dagegen hatte Paramessu in Gestalt seines tatkräftigen Sohnes Sethos bereits
jetzt einen möglichen Nachfolger vorzuweisen. Die Einsetzung zum Kronprinzen
wurde mit großem Gepränge begangen. In Gegenwart der hohen Würdenträger des
Staates überreichte man Paramessu den Siegelring mit dem Titel. Paramessu war
mit der Edelfrau Satre verheiratet. Seit der Designierung zum Nachfolger des
Pharaos ließ Paramessu in seinem Namen den Artikel Pa, der auf eine
nichtadelige Herkunft hindeutete, weg und nannte sich Ramessu. Nach
dem Tod des Pharaos Haremhab wurde Ramses I. (Ende 1306 – Anfang 1304 v. Chr.)
der neue Herrscher. Er wurde zum Begründer der XIX. Dynastie, des Hauses der
Ramessiden. Anknüpfend an die Tradition, ließ er sein Grab im Tal der Könige
anlegen. Ramses I. führte aber auch eine Neuerung ein. Seine Gemahlin Satre
sollte in einer Nekropole beigesetzt werden, die, entgegen den bisherigen
Gepflogenheiten den Königinnen als Grabstätte dienen sollte. Die Wahl fiel auf
das Set-Neferu, das heutige Tal der Königinnen. Es hatte bereits für verdiente
und hochrangige Beamte sowie für die Königskinder der vorangegangenen Dynastie
als Nekropole gedient. Ramses I. führte das architektonische Werk fort, das
Amenhotep III. in Karnak begonnen hatte. Mit ihm wollte Ramses I. vor den Augen
der gekränkten Amunpriester die Rückkehr zum Amunkult feierlich begehen. Schon
unter Haremhab war im großen Hof vor dem Pylon des Amenhotep III. eine Allee
aus zwölf hohen Säulen mit offenen Papyruskapitellen entstanden. Ramses I.
vollendete nun die Kolonnade und ließ daneben etwas niedrigere Säulenreihen
mit geschlossenen Papyruskapitellen errichten. Ramses I. starb, kurz nachdem er
seinen Sohn Sethos als Mitregenten bestätigt hatte. Auch wenn seiner Herrschaft
nur kaum 2 Jahre beschieden waren, so hatte er doch mit Pharao Haremhab über
lange Jahre hinweg die Verantwortung für die Regierung getragen. In seinem
unvollendeten Grab tauchen Auszüge aus einer neuen Sammlung von Totensprüchen
auf, das "Pfortenbuch". Das farbenfrohe Dekor auf blaugrauem
Untergrund besticht noch heute durch seine schlichte Eleganz. Die Ramessidenzeit
hatte begonnen.