Sethos I.        Grab

Sethos I. (Anfang 1304 – 2.6.1290) wurde mit etwa 30 Jahren gekrönt. Zunächst ging es ihm darum, ein Gegengewicht zu den mächtigen Propheten des Amun zu schaffen und auch die Priester der anderen Gottheiten an sich zu binden. So legte er sich die Beinamen "geliebt von Ptah" und "Abbild des Re" zu.

Sethos wählte die besten Künstler aus, setzte sein ganzes Vertrauen in die Architekten und versuchte seine Vorgänger in der Baukunst zu übertrumpfen. Zunächst legte er den Grundstein des Tempels von Abydos. Er setzte in Karnak den Bau der großen Säulenhalle fort und ließ sich das größte und prachtvollste Felsengrab im Tal der Könige anlegen. Sethos I. plante vor allem die Rückeroberung der Provinz Amurru, die während der Amarnazeit abgefallen war. In Sethos I. führte in seinem fünften Regierungsjahr einen Kampf gegen die Hethiter, die von Anatolien aus einen Vorstoß nach Syrien gewagt hatten. Bei diesem Feldzug ging es darum, Amurru und die Stadt Kadesch wieder unter ägyptische Kontrolle zu bringen. In der eroberten Stadt Kadesch ließ er zur Erinnerung eine Stele an diesen Sieg errichten. Muwatallis, der Fürst von Chatti, eroberte allerdings wenig später die Festung wieder für die Hethiter zurück. Ein vorübergehendes Einvernehmen, das ganz im Stillen geschlossen wurde, setzte dem Konflikt mit den Ägyptern vorerst ein Ende. In der Friedensperiode nach dem Vertragsabschluß mit dem Hethiterkönig Muwatallis setzte Sethos I. seinen Sohn Ramses zum Mitregenten ein, also zwischen den Herrschaftsjahren 7 und 8. Prinz Ramses war damals ungefähr 15 Jahre alt.

Während des gesamten Jahres 9 seiner Herrschaft übernahm Pharao Sethos I. persönlich die Aufsicht über den Bau seines Tempels in Abydos. Um die Goldbeschaffung für die Ausstattung des Heiligtums zu erleichtern, mußte er die Wasserbeschaffung der Minenarbeiter verbessern. In der Wüste zwischen Edfu und dem Roten Meer, stieß man bei der Grabung eines tiefen Brunnens tatsächlich auf Wasser, worauf Sethos I. den Tempel von Redessije in den Fels hauen ließ.

Unter Leitung Sennodjems arbeiteten die Künstler an den Gräbern des Sethos und seiner Gemahlin Tuja. Für Sethos I. wurde im Tal der Könige ein Grab von fast hundert Metern Länge in den Kalkstein getrieben. Die Totentexte zeigen die verschiedenen Stationen der Sonne bei der Fahrt durch die Nachtstunden. Die geheimnisvollen Pfade, die zur Wiedergeburt führen, sind von allerlei Fabelwesen bevölkert. Überall erscheint der Pharao, der ständig Zwiesprache mit den Göttern hält. Sethos I. trieb sein Bauprogramm weiter voran. Obwohl er in Karnak bereits die gewaltigste Säulenhalle Ägyptens errichten ließ, ordnete er in seinem elften Regierungsjahr den Bau einer weiteren Säulenhalle im Tempel des Gebel Barkal, einem Heiligtum des Amun von Napata im Land Kusch, an.

Der Felsentempel von Bet el-Wali mit seinen historischen Darstellungen ist das erste von insgesamt sieben größeren Heiligtümern, die Ramses in Nubien errichten ließ. Er zeugt von seiner unmittelbar bevorstehenden Machtübernahme in einer Zeit, als es mit Sethos I. gesundheitlich bergab ging. Sethos I. starb am 2.6.1290 vor Christus offenbar ganz plötzlich.