Beginn seiner Regierung
Das
erste Regierungsjahr begann mit der rituellen Krönung Amenhotep IV.Die
Zeremonie fand aber nicht im Tempel zu Karnak statt, sondern in Hermonthis südlich
von Theben. Hermonthis war das „Heliopolis des Südens“, die Stadt, die der
Sonnenstadt im Norden entsprach. Dies waren Amenhotep IV. erste Huldigungen an
den Sonnenkult. Trotzdem weist der Beginn seiner Regierung noch keinen Bruch mit
den alten Traditionen auf. Amenhotep IV. ließ sich in den traditionellen Posen
der ägyptischen Könige darstellen und wird in einem Grab in Theben als der
„Erwählte des Amun-Re“ genannt. Der König ließ auch später diese Szenen
als „klassischer“ König nicht ausmeißeln. AmenhotepIV. beschränkte sich
nicht darauf, seine Krönung im „Heliopolis des Südens“ vornehmen zu
lassen. Er nahm einen ungewöhnlichen Titel an und nannte sich „Erster Prophet
des Re-Harachte, der in der Lichtregion jubelt in seinem Namen Schu, der Aton
ist“. Amenhotep IV. ließ dieser Sonnengottheit in Karnak bedeutende Monumente
errichten. Dies waren seinen ersten Amtshandlungen und die einzigen, von der
heute noch Überreste erhalten geblieben sind.Amenhotep IV. bekämpfte den Gott
Amun nicht, aber er verwandelte Karnak (die „Stätte des Amun“) in den
Tempel des Aton. Sein Zorn richtete sich gegen den Amun-Kult, der in Theben
fragwürdige Blüten getrieben hatte. Es war auch der Überdruß an Korruption
und Skandalen, die ruchbar wurden, wo immer die Amun-Priester ihre Finger mit im
Spiel hatten. Die Aton-Heiligtümer wurden im Osten von Karnak errichtet,
dort
wo die Sonne aufgeht. Jeder der vier Tempel trägt seinen eigenen Namen: „Die
Sonnenscheibe ist gefunden“, „Standhaft sind die Monumente der Sonnenscheibe
in Ewigkeit“, „Erhöht sind die Monumente der Sonnenscheibe in Ewigkeit“
und „Das Haus des uranfänglichen Steins“. In diesen vier Tempeln müssen
etwa 6800 Personen tätig gewesen sein. Amenhotep IV. wollte also tatsächlich
einen neuen Kult in Karnak etablieren. In diesen Tempeln ist erstmals eine
Sonnenscheibe, deren Strahlen in Händen enden, dargestellt. Außerdem wird der
Name des Gottes Aton von einer Kartusche, Oval das in Hieroglyphenschrift den
Namen der Könige hervorhebt, umrahmt. Diese Szenen konnten mit Hilfe der
Talat-Blöcke, jene Steinblöcke aus denen die Monumente zusammengesetzt waren,
rekonstruiert werden. Die Darstellungen weichen bereits von der traditionellen
Ästhetik ab: Gott und König sind gleichermaßen körperbetont und mit
aufgetriebenem Bauch gestaltet. Auch die fünf Meter hohen Kolossalstatuen des Königs
weisen eine seltsame Verformung des Gesichts und einiger Körperpartien auf. Die
königlichen Attribute, Doppelkrone, Wedel und Zepter, sind traditionell
gestaltet. Aber nicht nur das Gesicht, sondern auch der Körper weisen überraschende
Besonderheiten auf. Brüste, Oberschenkel und Becken sind die einer Frau. Einige
Statuen zeigen Amenhotep IV. nackt und ohne Penis. Der geschlechtslose König
stellt das Prinzip vor seiner Aufspaltung in zwei Geschlechter dar, also
„Mutter und Vater“ der Schöpfung. Die deformierten Gesichter der Statuen
sind Ausdruck eines neuen theologischen Konzepts. Aton benötigte neue künstlerische
Formen.