Echnaton war weder
ein träumerischer Pazifist noch ein Befürworter des Krieges. Er führte die
von Amenhotep III. und Teje betriebene Außenpolitik weiter und pflegte einen
Frieden, der auf Abkommen mit den fremdländischen Mächten beruhte. Im Süden,
in Nubien, hatte es seit vielen Jahren keine ernstzunehmenden Unruhen mehr
gegeben.Im Nordosten, in den asiatischen Ländern, die nur teilweise unter ägyptischer
Kontrolle standen, sah die Situation ganz anders aus. Der Hethiterkönig
Suppiluliuma vereinte Gewalt und List mit meisterhafter Strategie. Er baute ein
Netz von Spionen auf, welche die einflußreichen Männer in der ägyptischen
Gesellschaft nach und nach überredeten, sich von Echnaton abzuwenden.
Suppiluliuma förderte überall Unruhen. Auch als die Hethiter begannen
offensiver gegen
Ägyptens-Verbündeten Mitanni vorzugehen, griff Echnaton nicht
ein. Mitanni brach zusammen und Ägypten hatte tatenlos zugesehen. Echnaton
verweigerte auch weiterhin die Gewalt. Er zog weiterhin die Diplomatie und die
Verhandlungen vor. Echnaton teilte dem Hethiterkönig seine friedlichen
Absichten mit, forderte jedoch von Suppiluliuma auch eine friedliche Haltung. Für
den Hethiterkönig war diese Zusage ein voller Erfolg, denn Echnaton würde
Mitanni nicht zurückerobern. Der König von Babylonien war sehr unzufrieden über
diese Reaktion Echnatons. Er schloß daraus, daß Echnaton die künftige
Vorherrschaft der Hethiter über bestimmte Regionen anerkannte. Wenig später
schloß der König von Babylonien ein Bündnis mit den Hethitern. Die phönizischen
Hafenstädte fielen an die Hethiter, darunter Simyra, Tunip und Byblos. Der König
von Byblos Ribaddi war ein bedingungsloser Verbündeter Ägyptens. Als er die
Gefahr erkannte, sandte er mehrere Briefe an Echnaton und flehte, er möge
eingreifen und seine Stadt retten. Ribaddi erbat Pferdegespanne und Fußsoldaten.
Damit wollte er bis zur Ankunft der ägyptischen Fußsoldaten die Angreifer
abwehren. Obwohl er dem ägyptischen Palast mehrfach schrieb, nahm dort niemand
von seinen Worten Notiz. Die Reaktion Echnatons, er beschwerte sich, daß
Ribaddi ihm zu oft schrieb. Die große Stadt Byblos fiel. Hethitische Plünderer
versetzen ganz Palästina in Unruhe und beeinträchtigten die Handelsbeziehungen
Ägyptens zu den Nachbarstaaten. Babylonische Händler wurden ausgeraubt, doch
ihre Klagen verhallten ungehört. Nach
dem 12. Regierungsjahr Echnatons sandten die Fremdländer ihre jährlichen
Tribute nicht mehr an den ägyptischen Hof. Unter Ägyptens Vasallen hatte sich
großer Unmut ausgebreitet. Echnaton war damit beschäftigt die Grundlagen für
einen neuen Glauben zu legen. Der König war schlecht informiert und hatte nur
beschränkten Einblick in die Gesamtsituation. Er übertrug die Verantwortung Männern,
deren Redlichkeit angezweifelt werden muß. Echnaton verfügte auch nicht mehr
wie seine Vorgänger über so unermeßliche Reichtümer. So wurden die Geschenke
für die Vasallenstaaten immer weniger. So warf der König von Babylonien
Echnaton vor, er habe ihm Gold von sehr schlechter Qualität geschickt. Ägyptens
Verbündete empörten sich darüber, wie wenig Eile Echnaton hatte, ihnen die
Reichtümer zu schicken, die er ihnen schuldete.Unbestreitbar
hatte die ägyptische Armee jedoch nichts von ihrer Schlagkraft und ihrer Macht
verloren. Die Truppen hatten sich nicht aufgelehnt und sie gehorchten dem König
nach wie vor.Es ist zu
vermuten, daß Echnaton einige der wichtigen Briefe niemals vorgelegt wurden.Die
Bilanz war niederschmetternd. Byblos war verloren, Mitanni existierte nicht
mehr, Syrien war annektiert worden und Plünderbanden zogen durch Palästina.
Echnaton hatte die Möglichkeit zu agieren verloren. Es gelang ihm nicht mehr
den Ehrgeiz der Hethiter zu stoppen. Neueste
Erkenntnisse weisen darauf hin, daß Echnaton in den letzten Jahren seiner
Regierungszeit Truppen nach Syrien entsandt hat. Doch zu welchem Zweck und mit
welchem Erfolg? Echnaton war für
den Niedergang der ägyptischen Macht sicherlich nicht allein verantwortlich,
aber er hatte ihn auch nicht aufgehalten.