Die Götter

Die ägyptischen Götter waren ursprünglich Gottheiten einzelner ägyptischer Stämme und dann einzelner ägyptischer Gaue. Den Göttern wurden spezielle Aufgabenbereiche zugewiesen und in den Götterkanon des Staates integriert. Häufig wird auch ein Gott mit einem anderen verschmolzen oder ein Gott als eine andere Seite eines Gottes betrachtet, wie zum Beispiel Amun-Re.

Während der Geschichte Ägyptens hat die Bedeutung der Götter mehrfach gewechselt.

Dem König als oberstem Priester des Landes kommt besondere Bedeutung als Vermittler zwischen Menschen und Göttern zu. Er darf als einziger das Allerheiligste der Tempel betreten und opfert den Göttern, um dem Land Segen zu bringen. Der König wird in den Tempeln häufig dargestellt, wie er jedem einzelnen Gott Opfer darbringt. Der König wird meistens durch die Priesterschaft vertreten.

Hier findet ihr die wichtigsten Götter in alphabetischer Reihenfolge.

Amun

Schon in den Pyramidentexten wird Amun mit seiner Gattin Amaunet als Urgott erwähnt. Aber erst seit der 11. Dynastie scheint er als Gott von Theben aufzutauchen. Die Ägypter deuteten seinen Namen als "der Verborgene". Er war der im unsichtbaren Lufthauch wirkende. In der Regel gilt der Widder mit gedrehten Hörnern als sein heiliges Tier – ein Hinweis auf den Charakter als Fruchtbarkeitsgott. Als Gott der Hauptstadt Theben erlangte Amun im Neuen Reich die Stellung eines Reichsgottes, der als Amun-Re das Wesen des Sonnengottes an sich zog.

Anubis

Der Totengott mit dem Beinamen "Herr des heiligen Landes" und "Der vor der Gotteshalle" hat gewöhnlich die Gestalt eines Caniden, wobei die zoologische Art, ob Hund oder Schakal, von den Ägyptern nicht genau gekennzeichnet wurde. In der Nacht bewacht Anubis die Mumie vor den bösen Mächten. An den Türen zahlreicher Felsengräber ist das Bild eines liegenden schwarzen Hundes, es ist der Gott, der Wache hält. Beim Einbalsamieren der Leiche vertritt ein Priester mit der Maske eines Schakals die Stelle des Anubis. Durch das Aufkommen des Osiriskultes wird Anubis ein Untergebener des neuen Totenherrschers, er leitet nun das Wägen der Herzen beim Totengericht.

 

Aton

Mit Aton wurde zunächst die Sonne als Gestirn bezeichnet. Später wurde die sichtbare Sonnenscheibe als Erscheinungsform des Re angesehen, es heißt vom Sonnengott: "Sein Leib ist der Aton." König Amenhotep IV., der seinen Namen in Echnaton umänderte, erhebt Aton zur einzigen Gottheit. In den ersten 5 Regierungsjahren wird Aton noch als Mensch mit Falkenkopf dargestellt, danach gibt es nur noch die Sonnenscheibe, deren Arme handförmig enden und die Lebensschleife halten.

 

Atum

Er ist eine Personifikation des Chaos, aus dem alles hervorging. Er ist der "Selbsterstandene", er war der "Einherr". In alten Pyramidentexten erscheint er als Urhügel und auch als Skarabäus, der scheinbar aus einer Erdkugel entsteht. Im Totenbuch spricht Atum zu Osiris vom Weltende: Er kann alles Geschaffene wieder zerstören und sich selbst in die Urschlange zurückverwandeln. Er erzeugt durch Selbstbegattung das erste Götterpaar, Schu und Tefnut.

 

Bastet

Die besonders in Bubastis verehrte Göttin ist schon früh mit den Löwengöttinnen Tefnut und Sachmet zusammengestellt worden. Seit dem Alten Reich wird Bastet löwenköpfig dargestellt. Die Göttin gilt als Mutter des Löwengottes Miysis, der den Beinamen "Herr des Gemetzels" hat. Mit dem Mittleren Reich tritt die Katze als heiliges Tier der Bastet auf. Seit dem Neuen Reich wird sie selbst mit Katzenkopf dargestellt. Die Göttin erhält immer freundlichere Züge. Das in der früheren Zeit "wütende" Wesen wird an die Göttin Sachmet abgegeben, die damit zur negativen und zerstörenden Seinshälfte der Bastet wird.

 

Chnum

Chnum wurde als Mann mit Widderkopf dargestellt. In Elephantine gilt er als der Wächter der Nilquelle, der die Überschwemmung hervorbringt. Die wichtigere Funktion ist die des Schöpfers. Chnum gestaltet den Leib des Kindes auf einer Töpferscheibe und läßt in im Samen in den Leib der Mutter gelangen. Zusammen mit der Geburtsgöttin Heket hilft er bei der Entbindung.

 

Chons

Chons ist der "Durchwandler" des Himmels, er ist der Mondgott. Dargestellt wird er als junger Mann in mumienförmiger Gestalt mit geschlossenen Beinen, auf dem Kopf trägt er die Mondscheibe und die Mondsichel.

 

Geb

Er ist die Personifikation der Erde. Als Erdgott ist er Träger der Pflanzen und das Wasser quillt aus ihm hervor. Nach altem Mythus zeugt Geb mit der Himmelsgöttin Nut die Sonne. So wird er zum Vater der Götter. Sein Schriftzeichen ist eine Gans, es kann auch vorkommen, daß Geb eine Gans auf dem Kopf trägt. Sonst ist sein Kopfschmuck meist die unterägyptische Krone.

 

Hathor

Der Name der Göttin bedeutet "Haus des Horus", dem entspricht auch ihr Schriftzeichen, das den Horusfalken in einem Haus zeigt. Hathor gilt als die Himmelsgöttin. Da im Delta die Vorstellung vom Himmel als einer Kuh verbreitet war, erhält Hathor selbst Kuhgestalt. Schon im alten Reich ist Dendera Hauptkultort der Hathor, ihr Kultsymbol ist ein Rundpfeiler, von dem 2 Rinderköpfe herabblicken. In Theben wurde sie als Totengöttin verehrt. Hathor ist auch Göttin des Tanzes, der Musik und der Liebe.

 

Horus

Ursprünglich war Horus ein Himmelsgott, dessen Bild ein Falke mit ausgebreiteten Flügeln war. Zu Beginn der frühgeschichtlichen Zeit wurde Horus mit dem König gleichgesetzt. Der König war seinem Volk ein Erscheinungsbild des Horus. Mit dem Überhandnehmen des Osiriskultes wird Horus zum Sohn des Osiris und der Isis und zum Neffen des Seth. Er wächst in der Verborgenheit der Sümpfe auf, um später seinen Vater Osiris zu rächen. Wichtige Kultorte des Horus waren Edfu, Kom Ombo und Heliopolis, wo er unter dem Namen Harachte als Gott der Morgensonne galt.

 

Isis

Isis trägt das Zeichen für "Sitz" oder "Thron" auf dem Haupt und war ursprünglich die Verkörperung des Thronsitzes und steht so in einer besonderen Beziehung zum König, dessen symbolische Mutter sie ist. Isis wird mit ihrer Schwester Nephthys als klagende Göttinnen in symbolischer Bedeutung zweier Raubvögel dargestellt. An den Sargwänden finden sie sich in menschlicher Gestalt und mit ausgebreiteten Flügeln, um dem Toten Schutz zu gewähren und ihm Lebenskraft zuzufächeln. Im Neuen Reich wurde Isis eng mit Hathor verbunden, so daß ihr Kopfschmuck jetzt auch ein Kuhgehörn mit Sonnenscheibe ist.

 

Maat

Sie ist die Personifikation der allem Sein zugrundeliegenden Gesetzmäßigkeit. Sie verkörpert das Recht, die Wahrheit und die Weltordnung. Ohne sie gibt es kein Leben, sie ist Speise und Trank des Re. Das Bildnis dieser Göttin wird von den Königen auf ihrer Hand getragen und den Göttern als Opfer dargebracht. Der König vertritt also die göttliche Ordnung. Die Richter sind die Priester der Maat. Beim Totengericht wird das Herz des Toten gegen die Feder der Maat gewogen. Die Feder der Maat ist das Symbol für Wahrheit.

 

Mut

Sie wird als Frau mit einer Geierhaube auf dem Haupt dargestellt. Mut ist die Gattin des Amun, beider Sohn ist Chons. Durch die Erhebung Amuns zum Sonnengott wird Mut zum "Auge des Re" und erhält Löwengestalt. Im späten Neuen Reich erhält Mut die Stellung einer Urgottheit, sie gilt nun als "Mutter der Sonne, in der diese aufgeht".

 

Nephthys

Der Name Nephthys bedeutet "Herrin des Hauses", sie wird mit den Schriftzeichen für Haus und Herrin dargestellt. Nephthys ist die Schwester von Isis, beide werden als klagende Göttinnen in Gestalt von Raubvögeln dargestellt. An Sargwänden findet man sie mit ausgebreiteten Flügeln und in menschlicher Gestalt. Sie sollen dem Toten Schutz gewähren.

 

Nut

Sie ist die Tochter des Luftgottes Schu und Gattin des Erdgottes Geb. Sie ist die Personifikation des Himmelsgewölbes. Nut wird dargestellt als Frau, die sich über die Erde beugt und mit ihren Füßen den westlichen und östlichen Horizont berührend. Sie ist die Herrin der Gestirne, die alle ihre Kinder sind und wird verschiedentlich als säugendes Mutterschein dargestellt.+

 

Osiris

Von seinem Vater, dem Erdgott Geb, erhält er die Herrschaft über das Irdische. Er führt den Acker- und Weinbau. Sein Bruder Seth neidet ihm dieses Herrscherglück. Er lockt ihn in einen Hinterhalt und wirft ihn in den Nil. Der Mythos von der Zerstückelung ist erst später entstanden, da mehrere Orte behaupteten, einen Körperteil des Gottes zu besitzen. Als Gott der Unterwelt vertritt er die Sonne in ihrer nächtlichen Form. Die Berührung des Osiriskultes mit dem des Horus führte zu einem Ausgleich zwischen den beiden Göttern, indem der Falkengott als Sohn des Osiris erklärt wurde. Daher stellt der lebende Herrscher die Inkarnation des Horus dar, der verstorbene König wird zu Osiris. Die Hautfarbe des Gottes ist symbolisch, er ist entweder weiß wie die Mumienbinden, schwarz als Hinweis auf die Totenwelt oder grün zum Zeichen der Auferstehung.

 

Ptah

Er ist der Stadtgott der Stadt Memphis und wurde immer als Mensch dargestellt. Zunächst nur Gott des Handwerks, wurde ihm die Erfindung der Künste zugeschrieben. Seine Schöpferorgane sind Herz und Zunge, durch die Macht des Wortes hat er die Welt erschaffen.

 

Re

Der Name des Sonnengottes bezeichnete zunächst das Gestirn selbst. Schon früh besaß Re in On (griech. Heliopolis = Sonnenstadt) eine Kultstätte. Er verband sich mit Harachte ( Horus als Morgensonne) und übernahm von ihm zu seiner menschlichen Gestalt den Falkenkopf. Seit der 4. Dynastie bezeichneten sich die ägyptischen Könige als "Sohn des Re". Als mit dem Mittleren Reich Amun an die Spitze der Götter trat, konnte Re nicht verdrängt werden. Beide Götter festigten durch eine Fusion in Amun-Re ihre Stellung. Als Weltenlenker überquert der Sonnengott in seiner Barke den Himmelsozean.

 

Sachmet

Sie bildet zusammen mit ihrem Gatten Ptah und ihrem Sohn Nefertem die Triade von Memphis. Sachmet hat das Wesen einer Kriegsgöttin, sie begleitet den Herrscher in den Kampf. Sie verbreitet überall Schrecken. Sachmet wird als Löwin oder als Frau mit Löwenhaupt dargestellt.

 

Satis

Satis gilt als "Herrin von Elephantine". Sie ist die Gattin von Chnum. Satis ist die Spenderin des Wassers, das sie den Toten zur Reinigung darbietet. Sie wird in menschlicher Gestalt mit oberägyptischer Krone und 2 geschweiften Antilopenhörnern auf dem Haupt dargestellt.

 

Schu

Er ist als Atem aus der Nase des Urgottes Atum hervorgegangen. Schu (Luftgott) verkörpert zusammen mit seiner Schwester und Gattin Tefnut (Feuchtigkeit) die zum Leben notwendigen Kräfte. Schu wird auch mit der Sonne, Tefnut mit dem Mond identifiziert. Beider Kinder sind die Himmelsgöttin Nut und der Erdgott Geb. Mit erhobenen Armen wölbt der väterliche Luftgott den Himmel nach oben und trennt ihn damit von der Erde. Er übernimmt die Funktion des Himmelsträgers. Schu wird menschenartig dargestellt, mit seinem Schriftzeichen, einer Feder, auf dem Kopf.

 

Seth

Seth war "Groß an Kraft", die Kraft des Königs war die des Seth. Der Gott erscheint als oberägyptischer Partner des unterägyptischen Königssohnes Horus. Zur Zeit der Hyksos galt Seth als Hauptgott, in der 19. und 20. Dynastie war er der Schutzgott der Ramessiden. Vor allem galt er als Herr der Wüste und erscheint so als Widersacher von Osiris. Er ist Herr der Metalle, die Eisenerze erden "Knochen des Seth" genannt. Mit dem Überhandnehmen des Osirisglaubens tritt eine zeitweise Verfemung des Seth ein. Horus als Rächer seines Vaters Osiris kämpft gegen Seth: Seth verliert die Hoden und Horus ein Auge. Als Seth zugehörige Tiere werden der Esel, die Antilope, das Schwein, das Nilpferd, das Krokodil und die Fische betrachtet. Seth gilt als "roter" Gott, als Herr der Wüste. Später zur Zeit der Fremdherrschaften, besonders der Assyrer, wurde er zum Landesfeind und zur Symbolfigur für alles Böse.

 

Suchos (Sobek)

Sein Name bedeutet Krokodil und seine Hauptkultorte waren Krokodilopolis im Fayum und Kom Ombo in Oberägypten. Suchos ist auch ein Gott des Wassers, aus seinem Schweiß kommt der Nil hervor.

 

Tefnut

Tefnut und ihr Bruder Schu wurden von dem Urgott Atum aus sich selbst erschaffen. Durch die Verschmelzung Atums mit Re werden Schu und Tefnut zu Kindern des Sonnengottes Re. Tefnut hat die Beinamen "Herrin der Flamme" und "Stirnschlange am Haupte aller Götter".

 

Thot

Die Ibisköpfigkeit des Gottes weist auf das Delta als seine Heimat. Der Hauptkultplatz des Thot ist das mittelägyptische Hermopolis, wo er mit dem Paviansgott Hez-ur verschmolz und dessen Gestalt annahm. Thot ist der Herr des Mondes. Diese Beziehung läßt ihn zum "Herrn der Zeit" und zum "Rechner der Jahre" werden. Ein Schreibgerät oder auch eine Palmrippe sind daher seine Attribute.