Hieroglyphen

Für die enge Verbindung von Schrift und Bild im alten Ägypten zeugt die Tatsache, daß die ägyptische Sprache nur ein Wort für "schreiben" und "zeichnen" kennt.

1822 gelang es Jean Francois Champollion mit Hilfe des Steins von Rosetta die Hieroglyphen zu entschlüsseln. Der Stein wurde schon 1799 von einem französischen Offizier im Niltal gefunden. Auf dem Stein erkennt man drei verschiedene Schriften mit demselben Text. Der Text wurde in griechisch, demotisch und mit ägyptischen Hieroglyphen geschrieben. Sein Ansatz waren die Kartuschen, die wie ovale Ringe aussehen. Er überlegte sich, daß nur die im griechischen Text erwähnten Königsnamen Ptolemaios und Kleopatra so bedeutungsvoll sein könnten, daß sie eine solche Hervorhebung verdient hätten. Dies setzte allerdings voraus, daß es sich nicht wie bisher angenommen bei den Hieroglyphen um eine Art Bilderschrift handelt, sondern daß einzelne Zeichen auch für Buchstaben stehen können. Champollion stieß beim Vergleich der beiden Kartuschen tatsächlich auf eine Gemeinsamkeit, nämlich auf die Zeichen für die Konsonanten p, t und l, die in beiden Namen vorkommen. Der Schlüssel zur Entzifferung war somit gefunden. Bei weiteren Forschungen am Tempel von Abu Simbel stieß er auf eine Kartusche, die noch nicht entschlüsselt war. Er ging davon aus, daß es sich auch hierbei um einen Königsnamen handelt. Durch Vergleiche mit den Kartuschen Kleopatras und Ptolemaios konnte er diese neue Kartusche als die des Ramses entziffern.

 

Heute kennt man ca. 6000 verschiedene Zeichen, von denen allerdings immer nur ca. 700 während einer Epoche benutzt wurden. Die Hieroglyphen-Schrift ist sehr flexibel. An erster Stelle stand immer das Aussehen des Geschriebenen. Schreiben kann man sowohl waagerecht als auch senkrecht und sowohl von links als auch von rechts. Die Schriftrichtung richtet sich danach, an welcher Stelle ein Zeichen angebracht wurde. Tiere, Götter oder Menschen blicken immer auf den Anfang des Textes, also in Leserichtung. Es ist auch keine reine Bilderschrift, bei der Bild und Sinn immer übereinstimmen, sondern die Zeichen können zum einen Bilder sein, zum anderen aber auch reine Lautzeichen.  

Echte Symbole sind die Hieroglyphen für die Götter. Der Falke steht für Horus, ein Thron für Isis, ein Auge beim Thron für Osiris, ein Wüstentier mit einem Pfeil als Schwanz für Seth, die Kombination für Haus und Herrin für Nephthys und ein thronender Schakal für Anubis.Die ägyptische Schrift zerfällt in 3 Arten von Zeichen:

  • Wortzeichen (Ideogramme) geben ein bestimmtes Wort wieder ohne Rücksicht auf seinen Lautbestand. Um festzulegen, daß diese Hieroglyphen eben das bedeuten, was sie darstellen, fügt man ihnen einen kleinen Strich hinzu. Ein Rechteck mit einer Öffnung bedeutet Haus, ein geblähtes Segel ist der Wind, zwei Beine bedeuten gehen, die für Oberägypten charakteristische Lilie stellt den Süden dar. Die Zeichen für Gott und Diener zusammen bedeuten Priester und Sohn und Sonne zusammen sind der König (er ist der Sohn der Sonne).

  • Lautzeichen geben einen Konsonanten oder eine Folge von zwei oder drei Konsonanten wieder. So wird mit dem Bild der Gans auch "Sohn" geschrieben, eine Schwalbe dient für "groß" und ein Käfer für "werden". Das Ideogramm für Geier dient als Lautzeichen für "Mutter", Korb für "Herr", Keule für "Diener" und Wedel für "gebären".

  • Deutzeichen (Determinative) sind ohne Lautwert, die sollen am Ende des Wortes dessen Bedeutung anzeigen. Da viele Wörter im Hieroglyphischen mit genau denselben Zeichen geschrieben wurden, war es erforderlich, eine Möglichkeit zu schaffen, mit der man die wahre Bedeutung erkennt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Hieroglyphen bleiben Determinative stumm, werden also nicht gesprochen. Darüberhinaus dienen sie als Worttrenner, so daß man einzelne Wörter in langen Texten einfacher erkennt. So werden Städtenamen mit dem Ideogramm für Stadt versehen, mit einem Vogel wird auch die Heuschrecke determiniert und Säugetiere erhalten ein Fell mit Schwanz als Deutzeichen. Drei gleichlange Striche sind das Zeichen für Plural.

Die folgende Tabelle ist eine kurze Übersicht über die Einkonsonanten-Zeichen in der Hieroglyphenschrift der alten Ägypter.

Symbol

Aussprache

Bedeutung
sch Teich (Grundriß)
tsch (schwach) Kobra
tsch (stark) Seil
a Geier
b Bein
e Schilfblatt
f Hornviper
g Krugständer

h Hof
k (stark) Korb
k (schwach) Sandböschung
l Löwe
m Eule
n (teils l) Wasser
o Lasso
p Hocker
r (teils l) Mund
s (stimmlos) gefalteter Stoff
s (stimmhaft) Türriegel
t (schwach) Hand
t (stark) Brotlaib
w (Anfang) Wachtelküken
y zwei Schilfblätter
ich (weiblich) Symbolzeichen  für weiblich Ich-Form
ich (männlich) Symbolzeichen  für männliche Ich-Form

Kind

Symbolzeichen  für kindliche Ich-Form