Das Grab des Ramses II. (1290-1224 v. Chr.)
Registriert unter der Nummer 7 im Tal der Könige, wurde das Grab Ramses II. ab der späten Antike ausgeraubt. Mobiliar und Schätze wurden entweder gestohlen oder verlegt. Das Grab wurde mit Resten zugeschüttet und der Eingang unkenntlich gemacht. Überraschenderweise wurde das Grab Ramses II. nie vollständig ausgeraubt. Archäologen meinen, daß dies einen zu großen Aufwand erfordert hätte.
Um
in das Grab zu gelangen, stieg man zunächst einen Flur hinunter und kam dann in
eine Halle, in der man mit den Göttern zusammentraf und in der die Rituale über
der Mumie vollzogen wurden. Danach kam man in einen Saal, in dem die königlichen
Wagen aufgestellt waren, von denen einer vollständig mit Gold gelegt war. Die
Seele des Königs nutze sie, um gegen die Feinde des Jenseits zu kämpfen. Der
Weg mündete in einem weiteren Gang, an dessen Wänden die Riten zur „Öffnung
des Mundes“ zu sehen waren, und endete in einer Halle, in dem der König vom
Gericht des Jenseits als gerecht anerkannt wurde. Diese Halle markierte eine Änderung
in der Achse im rechten Winkel. Durch eine enge Tür gelangte man zur „Halle
des Goldes“ mit acht Säulen. Dieser Raum hat Öffnungen zu mehreren kleinen
Nebenräumen. In der Mitte thronte der Alabastersarkophag Ramses II., in den die
ineinanderverschachtelten Särge eingesenkt wurden.Die
Kammern der Grabanlage bargen eine Fülle zeremonieller Gerätschaften sowie
Eingeweidekrüge, verschiedene Boote sowie den übrigen Grabschatz: Gewänder,
Schmuck, Opferspeisen, Salböle, mit Harz bestrichene und vergoldete Holzstatuen
des Königs und Plastiken des Anubis, Symbolgestalt und Organisator der Reise in
die Ewigkeit.
Die Mumie Ramses II. hatte ein besseres Schicksal als seine Grabstätte. Das Grab Ramses II. war schon im neunundzwanzigsten Regierungsjahr Ramses III. Ziel einer versuchten Plünderung. Als Ramses IX. den Thron bestieg, waren die Schätze des großen Königs ebenso ausgeraubt wie die kostbaren Gerätschaften im Ramesseum. Aber nicht nur die Grabkammern wurden ausgeraubt. Die Grabräuber rissen auch die Mumien aus ihren Binden, um an die goldenen Amulette und Hülsen an Fingern und Zehen zu kommen. Daraufhin beschlossen die Priester und der Bürgermeister von Theben die Mehrzahl der Mumien in den beiden schönsten Gräbern in Sicherheit zu bringen, um sie besser bewachen zu können: in den Gräbern Sethos I. und Amenhotep II. Die entblößten Mumien wurden in grobe Tücher gelegt und der geraubte Schmuck durch Blumen- und Blättergirlanden ersetzt. Die Mumien wurden ein zweites Mal beigesetzt. Die Bewachung des Grabes von Sethos I. war allerdings nicht ausreichend. Das Grab von Amenhotep II. dagegen blieb verschont und wurde erst 1898 freigelegt. Die geschändeten Mumien des Grabes Sethos I. mußten erneut in Sicherheit gebracht werden. Es wurde sich für eine geeignete Stelle in einem Talkessel am Osthang des Bergmassivs entschieden, das Grab der unbedeutenden Königin Inhapi. Im Verlauf von drei Nächten war der Umzug vollzogen. 2830 Jahre lang blieb die Ruhe Ramses II. ungestört.
Zwischen 1871 und
1874 tauchten auf dem internationalen Antiquitätenmarkt Fundstücke aus
thebanischen Gräbern auf. 1881 kam man einer Bande von Plünderern auf die
Spur. Je nach Bedarf hatten sie sich aus dem berühmten Felsengrab von Der
el-Bahari bedient. Es mußte rasch gehandelt werden. Die Särge wurden binnen
achtundvierzig Stunden geborgen. An Bord eines Dampfers ging die Fahrt nach
Kairo.Zusammen mit den
sterblichen Hüllen der Könige seiner Zeit wurde Ramses II. erst in das Museum
von Bulak und später in das neue Ägyptische Museum von Kairo gebracht.