Das Ramesseum

  

Als Material für das Ramesseum, am Westufer des Nils, dienten Sandsteinblöcke, während für den symbolträchtigen Schmuck Rosengranit, Alabaster und Granit verwendet wurden. Im Norden, Süden und Westen standen Kornspeicher mit gewölbten Dächern, in denen die Getreidevorräte gelagert wurden. Sie dienten auch als Lager für die Gerätschaften des Tempeldienstes und der Kulthandlungen. Neben den Vorratshäusern lagen Verwaltungs- und Arbeitsräume und die Unterkünfte der Priester. In der Südostecke des „Tempels der Millionen Jahre“ lag die große Werkstatt, in der die Statuen und Gefäße hergestellt wurden und ein kleiner Königspalast, den der König während seiner jährlichen Regeneration bewohnte. Die äußeren Mauern des Tempelbezirkes wurden von einer doppelten Löwensphingenallee begrenzt und Sphingen mit Tierköpfen schmückten die Alleen im Norden und Süden. Vor dem Tempel stand ein gewaltiger Pylon von 67 Meter Breite, der sich in zwei Tempelhöfe, die Säulenhalle und das Allerheiligste untergliederte.

Die Schlacht von Kadesch wurde im Ramesseum im unteren Bereich der Ostmauer im zweiten Hof und auf der inneren Wand des Pylonen eingemeißelt. Die innere Wand des Pylonen zierten weiterhin die syrischen Feldzüge Ramses II. nach Kanaan und Amurru. Der erste Tempelhof im Ramesseum wurde von einer Kolonnade mit traditionellen Osirispfeilern, die den Herrscher mit Leichentuch in seinem Zustand vor der Regeneration zeigten, umsäumt. Der zweite Tempelhof bestand dagegen aus einer Kolonnade mit Figuren, die den König mit geschlossenen Beinen, aber im Lendenschurz des lebenden Königs, zeigten. Neben den Figuren des regenerierten Königs befanden sich Statuen der Königssöhne. Am Süd- und am Nordpfeiler der Tore des Ramesseums befanden sich je eine gewaltige Kolossalstatue Ramses II. Die Säulenhalle des Ramesseums hat einen symbolträchtigen Aufbau. Sie bestand aus zwölf Papyrussäulen, die für die zwölf Monate des Jahres stehen. Von der Säulenhalle gelangte man in den „astronomischen Saal“, der an der Decke im nördlichen Bereich mit bildlichen Darstellungen der Sternbilder und einem Kalender ausgeschmückt ist. Die Wände dieses Saales waren mit dem Bildnis des Ischedbaumes, Zeichen der Erneuerung des Königs, ausgeschmückt. Im Süden des Allerheiligsten waren die Räumlichkeiten gelegen, in denen der König die rituellen Stadien durchlief, mit denen er symbolisch in den Zyklus der Natur eintrat und so seinem Land auf magische Weise die Ernten sicherte. Die gegenüberliegenden Säle im Allerheiligsten, die das Wirken der Sonne feierten, beschworen das jährliche Wiedererwachen der Natur. Eine zweiteilige Bildfläche widmete Ramses II. seiner zahlreichen Nachkommenschaft. Den Süden beherrschte die immer länger werdende Liste der Prinzen und im Norden waren seine Töchter aufgeführt.